Widersprüche, oder einfach Unwahrheiten, dass Buch “Man nennt mich Hundeflüsterin” von C. Rohn, im ComArt Verlag:

christiane-rohn

Titel: Man nennt mich Hundeflüsterin

Autorin: Christiane Rohn

Verlag: ComArt, Schweiz                 ISBN 9-905319-88-9

Bildbearbeitung: ComArt, Schweiz

Redaktion: Marianne & Norbert                               Wengerek

Der Versuch einer Buchbesprechung über ein recht ungewöhnliches „Sachbuch“.

Vorbemerkung: Den ersten Hinweis auf dieses Buch erhielt ich anlässlich einer Buchbesprechung im „Kaukasen-Blättle“ April 2005.

 http://www.hirtenhunde-liptak.de/blaettle/pages/buecher/2005-04-christiane-rohn.html

Geschrieben damals von einer Frau Heike Steeb (heute im Vorstand des Gnadenhof-Trägervereins, in dem die Buchautorin 1. Vorsitzende ist.)

Im Sommer 2005 hielt ich dann dieses Buch auch in den Händen.

Mein erster Eindruck damals: Viele schöne bunte Bilder, leicht und flüssig geschrieben, doch nichts wirklich neues für mich. Ein wenig bedauerte ich schon den doch recht heftigen Preis von 42 Euro.

Nachfolgend stand das Buch dann viele Monate unbeachtet im Schrank, oder wurde im Freundeskreis herumgereicht.

Nun, nachdem ich mit meinen Mitstreitern bei den Recherchen für unsere Info-Seite auf so manchen neuen Hinweis und Hintergrund gestoßen war, nahm ich mir das Buch noch einmal zur Hand, um es etwas genauer zu betrachten.  

Als erstes fiel mir dabei die nahezu unübersehbare Zahl von Quellen im Literaturverzeichnis auf. Ca 120 Buchtitel sind dort aufgelistet, auf die das „Hundeflüsterinbuch“ Bezug nimmt. Nun ist es ja nicht so, dass der Hund und der Umgang mit ihm von Frau Rohn neu erfunden wurde, doch etwas mehr an Eigenerlebnissen und –kenntnissen hätte ich in einem Sachbuch schon vermutet.

Auch das Vorwort der Verlegerin, Frau Marianne Wengerek, führt in so manchem Punkt zu Irritationen. So schreibt sie:

„Wir haben ihre Arbeit gründlich kennengelernt, ihren Tagesablauf, ihre Tiere, Mitarbeiter, Seminare, Besucher, Beratungsgespräche, aber vor allem sie ..........

Christiane Rohns Einsatz, ihr rücksichts und respektvoller Umgang mit dem Tier ist wie ein leuchtender Sonnenstreifen der Hoffnung am Horizont.

Ihr Arbeitspensum ist einfach unbeschreiblich. Selbst mit bald 40° Fieber war sie noch auf den Beinen, hat Futtersäcke mit einem Gewicht von 50kg herumgeschleppt, die Tiere versorgt, mitunter die Nächte durchgearbeitet.“  (Zitat: Marianne Wengerek im Vorwort, Buch “Man nennt mich Hundeflüsterin”, C.Rohn, im ComArt Verlag.)

Wenn auch ein gewisses Maß an Begeisterung und Buchwerbung bei einer Verlegerin mitschwingen darf, irgendwo ist (denke ich zumindest) eine Grenze erreicht. Zumal, wenn man auch gleichzeitig als verantwortliche Redakteurin zeichnet und damit eine gewisse Verantwortung für den Wahrheitsgehalt der Buchtexte hat. Und wenn dann eben diese Verlegerin in einer späteren Stellungnahme http://www.tierschutzinitiative-argenhof.de/024bff97f00a36401/StellungnahmeDef.pdf schreibt  (Nachtrag: Leider hat Frau Wengerek (passend zur Herausgabe der 3. Auflage des Buches) die kompletten Seiten die Sie und viele andere gegen Frau Rohn gefüllt haben, vom Netz genommen. Sollten Sie Zweifel an der Richtigkeit des unten stehenden Zitats haben, senden wir Ihnen gerne die Original PDF und andere Kopien der Seiten von den Verlegern.)

„Christiane Rohn sahen wir nie mit einem Gnadenhofhund arbeiten oder malen.

.....in die Tierpflege hatten wir so gut wie keinen Einblick,.....“ (Zitat: Verleger Marianne und Norbert Wengerek in Ihrer persönlichen Stellungnahme)

dann frage ich mich schon, aus welchen Beweggründen heraus die Lobpreisungen im Buchvorwort zustande gekommen sind und wie hoch der Wahrheitsgehalt der übrigen Buchtexte anzusetzen ist.

(Abgesehen von den Zitatbeiträgen aus den vorgenannten ca. 120 Buchquellen).

Gerade bei einem Buch, das vom Verlag ComArt als Tiersachbuch bezeichnet wird, muss der Leser sich auch auf eine sachliche und korrekte Darstellung verlassen können.

Bei den Texten ist mein Fazit:

Ca. 70-80% ist bekannter, teilweise etwas veralterter Standard. Den Rest, der sich mit dem direktem Umfeld auf dem Argenhof in Amtzell beschäftigt, kann man glauben, oder aus den oben angeführten Gründen auch nicht.

Insbesondere beziehe ich dies auf die Buchseiten 478 bis 485, die sich mit der Institution „Gnadenhof“ beschäftigen. Hier wird dem Leser eine heile Welt vorgekaukelt, die sich spätestens im April 2006 mit dem Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Untersuchung als „Luftblase“ erwiesen hat.

                                

Auch die Buchseiten 454 bis 461, die sich mit der „Dogsense-Philosophie“ beschäftigen, sind schön zu lesen, finden in den meisten Punkten auch meine persönliche Zustimmung, wirken jedoch heute in Verbindung mit der Autorin unglaubwürdig und irgendwie „abgekupfert“, ohne dass man dahintersteht.

So ist z.B. dort zu lesen:

„.....das die Beziehung zum Menschen sein (gemeint ist ein Hund) wichtigstes Grundbedürfnis darstellt, das sogar Vorrang vor seinem Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme hat.“ (Zitat: Christiane Rohn, “Man nennt mich Hundeflüsterin” im ComArt Verlag.)

Vollkommen richtig! Doch wenn ich mir vorstelle, dass zur gleichen Zeit, als dieses Buch geschrieben wurde, ca. 70 Hunde in einer abgeschlossenen Halle dort auf dem Gnadenhof, unter der Verantwortung der Buchautorin, eingesperrt waren, ist das ein Widerspruch für mich, der den Rest des Textes total ins ad absurdum führt.

 

Verlasse ich also besser den Text und wende mich den vielen Bilder zu. Diese sind wirklich schön und zeigen auf, wie schnell und leicht sich ca. 500 Buchseiten füllen lassen. Zumal auch mit großformatigen Bildern der Buchautorin, die dann mit dem Anspruch „Hundewissen vermitteln zu wollen“ nicht wirklich viel zu tun haben. Auch die Bildtexte entsprechen leider nicht immer dieser Vorgabe.

Als wirklich schlimm empfinde ich es jedoch, dass die „Bildbearbeiter“ im nachhinein eingeräumt haben, einzelne Bilder „bearbeitet“ (manche mögen es „gefälscht“ nennen) zu haben. Beispiel hier die Hündin Nelke auf Seite 317 des Buches, der die Halteleine wegretuschiert wurde, wohl um einen „therapierten“ Hund dokumentieren zu können. Oder „Übergabemitteilungen“ auf der Buchseite 283, wo so einfach einmal ein Hundename zweimal ausgewechselt/gefälscht wurde.

Sicher kann man dies auch als „künstlerische Freiheit“ bewerten, doch sollte dies dann auch entsprechend gekennzeichnet sein. Dem Wahrheitsgehalt eines solchen „Sachbuches“ wird sonst ein „Löwendienst“ erwiesen.

 

Das Buch erscheint mir als PR-Maßnahme hin Hinblick auf die Autorin und ihre gewerblichen Aktivitäten. Nicht jedoch als fundiertes Sachbuch, um Hundehaltern bei Schwierigkeiten mit ihren Tieren Unterstützung geben zu können.

 

Eine Leseempfehlung, oder gar Kaufempfehlung vermag ich daher nicht mehr auszusprechen.

Die Widersprüche zwischen Buchdarstellung und der Wirklichkeit bei der Autorin sind für mich einfach zu groß. Und wenn dazu noch von der Verlagsleitung zu negativen Rezensionen in einem großen Internet-Buchversand aufgerufen wird, ist die Glaubwürdigkeit total passé.

 

Klaus Schaper

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